Der Bildhauer Ulrich Glatz und das von ihm entwickelte Arrangement der Stelen. Foto: Rita Eggstein

Berlin hat eins. Und jetzt auch Freiburg: Am östlichen Rand von Kappels Friedhof gibt es seit Ende Juli ein Stelenfeld.

KAPPEL. Zugegeben, das in Kappel ist deutlich kleiner als das in Berlin, denn hier stehen nur zwölf Stelen halbkreisförmig beieinander. Entworfen und bearbeitet wurde die Skulptur aus Granit von dem Steinbildhauer Ulrich Glatz.

Wer durch das Törchen in der Peterbergstraße auf Kappels Friedhof kommt und zwei, drei Stufen hinauf geht, kommt zu einem langen Rasenstück, an dessen Rand fünf kleine Bäume stehen. Das ist das Baumfeld des Friedhofes, auf dem Urnen unter einer 40 auf 40 Zentimeter großen Grabplatte beigesetzt werden können. Ein kleines Schild hat bislang darauf hingewiesen, dass auf dem Baumfeld keine Kerzen, Kränze oder Blumen liegen dürfen. Denn ab April – so steht es dort schwarz auf weiß – müssten "auf den Wiesenflächen der Baumfeldbestattungen in regelmäßigen Abständen wieder Mäharbeiten durchgeführt werden". Nur – was tun, wenn man seinem Verstorbenen ein paar Blümchen aufs Grab legen will? "Um einen Platz für Grabschmuck zu schaffen", so bestätigt Martin Leser vom städtischen Eigenbetrieb Friedhöfe (EBFI), "haben wir uns in enger Abstimmung mit der Ortsverwaltung Kappel und dem Ortschaftsrat dazu entschlossen, eine Ablagestelle zu schaffen."

 

Der anthrazitfarbene Stein hat etwas Sakrales

Dabei herausgekommen ist das neue Stelenfeld. Ein gutes halbes Jahr hat der auf Kappels Hercherhof lebende Steinbildhauer und Künstler Ulrich Glatz an seinem Skulpturen-Ensemble gearbeitet. Vorgaben habe er von Seiten der Stadt keine bekommen, erzählt der 61-Jährige. Im Oktober vergangenen Jahres nahm Glatz seine Arbeit auf, er entwickelte Ideen, einige davon verwarf er, andere bearbeitete er weiter. Wichtig sei ihm gewesen, einen Ort zu schaffen, an dem man zur Ruhe kommt. "Nichts Aufregendes, eher etwas Meditatives". Seine erste Idee war, eine halbrunde Mauer in Stein zu hauen, daraus wurde irgendwann das Stelenfeld – erst mit quadratischen, dann mit rechteckigen Stelen. Auch über Sandstein dachte er anfangs nach. Es ist aber doch Granit geworden. Für Glatz hat der anthrazitfarbige Stein etwas Sakrales, Reduziertes. Das passe auf einen Friedhof. Das Vielerlei an Ideen präzisierte er anhand von drei Modellen, die er Leser vorstellte. Gemeinsam, Ortsverwaltung und Ortschaftsrat inklusive, entschied man sich für das Stelenarrangement, wie es jetzt auf dem Kappler Friedhof steht. 7000 Euro habe, so Leser, das EBF dafür investiert.
Glatz’ Stelen sind asymmetrisch angeordnet. Etwas Symmetrisches sei für ihn nicht in Frage gekommen. Trotzdem wirkt das in Stein gehauene Miteinander regelmäßig. Oder besser: "Unregelmäßig – regelmäßig, so wie das Leben", so der Künstler.

Links von dem mittleren Block stehen fünf, rechts davon sechs Stelen. Der mittlere Block öffnet sich nach oben, die restlichen elf fallen oben in einem Winkel von elf Grad sanft ab. "So wie die Sonne kurz bevor sie untergeht", so Glatz. Die rechten Stelen sind nach außen geöffnet, die linken nach innen. Und die Botschaft dahinter? Glatz erzählt, dass ihm beim Bearbeiten der Granitblöcke unendlich viele Gedanken durch den Kopf gegangen seien. Für ihn stehen sie – und das ist nur eine mögliche Interpretation – für den Verlauf eines Menschenlebens: "Die rechten, nach außen geöffneten Stelen symbolisieren die Kindheit, denn Kinder orientieren sich erst einmal im Außen. Im Alter findet wieder eine Rückbesinnung statt, dafür stehen die linken, nach innen abfallenden Blöcke." Dazwischen ragt die längste Stele in die Höhe, die – weil nach oben halbrund geöffnet – den Menschen als ein wahrnehmendes und aufnehmendes Wesen zeigt.
Schon im Mai hatte Glatz die Steinblöcke fertig bearbeitet. Danach wurden die zwölf Stelen 50 Zentimeter tief im Boden versenkt und auf ein Fundament gedübelt. Erde drüber, und fertig. Ob das Stelenfeld als Ablageplatz für Grabschmuck dauerhaft angenommen wird, bleibt abzuwarten. Gestern lagen dort immerhin vier Sträuße. Auf dem Baumfeld rechts davon waren es sechs.