Hau weg: Steinhauer Ulrich Glatz (rechts) zeigt Frank Preiß, wie man Steine bearbeitet. Foto: Michael Bamberger

Malerei, Musik, Lyrik und Skulpturen: Am Sonntag präsentierten Kappler Künstler ihre Werke.

KAPPEL. Dreimal "K", Kunst und Kultur in Kappel, hieß es am Sonntag im Freiburger Osten. Damit hatte ein Projekt des Kunstvereins Premiere, in dem sich Künstlerinnen und Künstler aus Kappel präsentieren. Die Idee kam an: 500 Besucher besuchten die Halle an der Moosmattenstraße.

Die Festhalle ist zugleich Turnhalle: Gerahmte Gemälde hängen neben einem Basketballkorb, um den Mittelkreis sind Skulpturen positioniert. Die Halle ist voll: Musik, Gemälde, Stein- und Holzskulpturen und neugierige Besucher. Dass es so viele Aussteller werden, damit habe sie nicht gerechnet, staunt Anke Schultheis, Vorsitzende des Kunst- und Kulturvereins Kappel. Genau das sei das Spannende an dem Projekt "K3" gewesen: Herauszufinden, dass die Nachbarin, die man sonst immer beim Einkaufen trifft, schon jahrelang Skulpturen anfertigt, erzählt Schultheis beim Rundgang durch die Halle.

Voraussetzung, sich hier präsentieren zu können, war in Kappel zu wohnen oder sich thematisch mit dem Stadtteil auseinanderzusetzen. Daraus ergab sich eine Fülle an Kunstformen, die die Besucher am Sonntag sehen konnten – oder selbst ausprobieren durften. Für Frank Preiß (9) aus Kappel stand sofort fest: Steine hauen, das ist was für ihn. "Bisher habe ich immer mit meinem Papa Holz geschnitzt – sogar mit der Motorsäge", erzählt der Schüler der Schauinslandgrundschule. Heute fliegen keine Späne, sondern Granitbröckchen. Der 9-Jährige bearbeitet den Steinquader gewissenhaft, während Steinhauer Ulrich Glatz erzählt, dass Anfänger für solch einen Brocken schon mal zwei Wochen brauchen. Glatz arbeitet seit 28 Jahren mit dem Material. Er lasse sich von den Steinen leiten: "Das heißt, ich gehe nicht mit einer festen Vorstellung an den Stein, sondern lasse mich durch die innere Struktur führen – bis ich eine Idee von dem, was daraus werden soll, bekomme." Währenddessen meldet sich der Nachwuchssteinhauer zu Wort: "Wurde der Stein eigentlich schon durchleuchtet?" Glatz erklärt, dass Steine mit Ultraschall geröntgt werden, um sie auf Risse zu prüfen. Denn das sei ihm auch schon passiert: dass die fast fertige Skulptur auseinanderbreche. Die Frage seines heutigen Lehrling verneint er und Frank Preiß jubelt: "Dann finde ich ja vielleicht einen Diamanten!"

Währenddessen hat die Kapplerin Lydia Miedtke (74) wieder bei den Bilden ihres verstorbenen Mannes, Rolf Miedtke, Stellung bezogen. Eben hatte sie noch in einem Vortrag von ihren Jugenderinnerungen erzählt. Aus Kappel ist sie weggezogen, weil ihr Mann sie damals zu sich geholt habe: "Er musste für mich 60 Deutsche Mark Ablöse an meine Schulkameraden zahlen – das war so Tradition. Bei der Sägebrücke wurde ich ihm dann übergeben", erinnert sich die 74-Jährige. Zusammen haben sie auf dem Markenhof in Burg am Wald gelebt. Doch für sie habe Rolf Miedtke Bilder von Kappel gemalt – die stellt sie heute aus.

In einer Ecke der Halle ertönt ein Lied, der Chor "Bella Kapella" singt "Hejo, spann den Wagen an", und immer mehr Menschen stimmen mit ein. Vom Mittelkreis der Turnhalle beobachtet Thomas Rees das Treiben. Der Holzbildhauer und Künstler hat schon immer in Kappel gelebt: "Die Holzsessel und Figuren, die ich heute ausstelle, stehen sonst alle bei mir daheim. Es ist völlig überfüllt", sagt Rees und lacht. Verkaufen würde er diese Stücke dennoch nicht, dafür nehme er Auftragsarbeiten an. Sein Kunstwerke aus Abfallholz sind unter anderem auf dem Skulpturenweg am Waldhaus zu finden, dort habe er sich von mytischen Waldmenschen inspirieren lassen. Auch mit dem Kappler Kunstverein hat Rees bereits ein Projekt verwirklicht: Den "Baum der Erkenntnis", der mittlerweile am Eschenwegle steht.

Seine riesigen Holzsessel werden heute oft beansprucht, Besucher wie Künstler nehmen Platz. Für einen Tag sei es ein ziemlicher Aufwand gewesen, diese in die Halle zu transportieren, die am folgenden Tag den Kappler Schülern wieder als Sporthalle dienen muss, erzählt der Holzkünstler. Dafür seien starke Männer nötig gewesen. Doch das war es wert, die Ausstellung ein voller Erfolg. Die Vorsitzende des Vereins, Anke Schultheis, ist sich sicher: "Das wiederholen wir."